Route Bolivien

Reiseroute in Bolivien
Reiseroute in Bolivien

Tour durch den Altiplano

Also wirklich! Eine Parade als Empfang in Bolivien wäre nicht nötig gewesen:

Grenzschild
Parade zum Unabhängigkeitstag (6. August)
Zuschauer

Wir reisen von Argentinien nach Tupiza (Bolivien) um an einer 4-Tagestour durch die bolivianische Hochebene zwischen den West- und Ost-Anden teilzunehmen. Tupiza liegt 2850m über dem Meerespiegel und gibt uns weitere Gelegenheit, uns an die Höhe zu gewöhnen.

Markt in Tupiza
So sieht es bei uns im Zimmer aus 🙂

In der Gegend von Uyuni fällt überraschend Schnee und die Tour wird verschoben. Also bleiben wir einen Tag länger in Tupiza. Der Gastgeber unseres Hostels fährt uns als Trost auf einen nahegelegenen Aussichtspunkt. Damit wird unser bisheriger Höhenrekord abermals überboten.

am Aussichtspunkt auf ca. 4500m

Am nächsten Tag geht es dann endlich los. Wir fahren mit einem super-netten finnischen Pärchen in einem Geländewagen in die Hochebene. Mit dabei sind ein Fahrer/Guide und eine Köchin. Wir übernachten in einfachsten Verhältnissen und bei Eiseskälte. Tagsüber ist es ungefähr 9 Grad warm, aber nachts fällt die Temperatur auf -10 Grad. Trotz geliehender Schlafsäcke und 3-facher Bettdecken ist Frieren angesagt. Unsere erste Nacht verbringen wir auf 4500m Höhe. Hier bringen uns schon kleinste Anstrengungen aus der Puste.

Nachts präsentiert sich uns ein spektakulärer Sternenhimmel! Wir können sehen, wie sich die Milchstraße über den gesamten Horizont erstreckt. So viele Sterne auf einmal haben wir noch nie gesehen. Allein dafür hat sich die Tour schon gelohnt! Wir werden versuchen, davon ein Foto nachzuliefern.

Eisenbahnfriedhof bei Uyuni
Eisenbahnfriedhof bei Uyuni
diese Lok steht schon länger da
Was da wohl drin ist?

Die Ebene zwischen den beiden Gebirgsketten ist teilweise so extrem flach, dass wir das erste Mal in unserem Leben Fatamorganas live erleben können:

Fatamorgana

In der Ebene werden verschiedene Mineralien abgebaut – der Haupterwerb der Bewohner hier.

Bewohner eines „miner village“ nahe Uyuni

Diese Tiere dienen ebenfalls zum Erwerb der Bewohner:

Hallo Lama!
Laaamas
Laaaaamas
Lama-Spuren
karge Ebene zwischen den Andenbergen
See in der Hochebene
an diesem See werden Mineralien abgebaut
Wüste und Andengebirge im Hintergrund
Salzablagerungen
Laguna Verde
Schnee an der Laguna Verde
Mittagessen
Laguna Verde mit dem Berg Licancabur

Der Weg zu den Geysieren ist vereist, so dass unserer Fahrer erst einen neuen Weg suchen muss.

vereiste Piste auf dem Weg zu den Geysieren

Hier verbringen wir eine knappe halbe Stunde (kurzzeitig kann man sich in großer Höhe aufhalten, ohne höhenkrank zu werden, problematischer sind Übernachtungen):

Geysiere auf 5100m Höhe
Piste in der Hochebene

Einer der Höhepunkte unserer Tour ist die Laguna Colorada. Die rote Färbung kommt durch Algen, die offensichtlich prächtig in dem See gedeihen.

Laguna Colorada
Flamingos in der Laguna Colorada
Laguna Colorada

Die hier lebenden Flamingos sind normalerweise weiß. Die Farbe ihres Gefieders ändert sich aber mit der Nahrung, die sie aufnehmen:

Flamingos in der Laguna Colorada
Laguna Colorada
Abendstimmung vor der zweiten Unterkunft
Villamar, unsere zweite Unterkunft
Felsen in der Nähe der Laguna Negra
See nahe Laguna Negra
auf dem Weg zur Laguna Negra
Laguna Negra

Wer hier in der Hochebene steckenbleibt, hat ein Problem: Es kommt nur selten ein Auto vorbei, es gibt keinen Mobilfunk und sobald die Sonne weg ist, wird es ca. -15 Grad kalt, so dass Erfrierungsgefahr droht. Auch die Morgensonne kann nicht alles Eis schmelzen.

Eiswasser
Eisformationen
Eisformationen

Am Nachmittag vor der letzten Übernachtung nahe der Salzwüste „Salar de Uyuni“ kaufen und probieren wir Quinoa-Bier (es gibt auch noch Kaktus- und Cocabier), denn die Flaschen kann man später gut für Fun-Fotos gebrauchen.

Bierprobe

Der nächste Tag beginnt dann mit einem spektakulären Sonnenaufgang in der Salzwüste.

Salar de Uyuni

Den letzten Tag unserer Tour verbringen wir in der Salzwüste "Salar de Uyuni", der größten Salzebene der Welt. Vorher werden wir in einem Salzhotel einquartiert. Wände, Tische und Bänke sind aus Salz. Die Bolivianer wissen, wie man Touristen anlockt 🙂

unser Zimmer im Salzhotel
Salzhotel

Am späten Abend fahren wir ein Stück in die Wüste, um nochmals den Sternenhimmel zu sehen und Fotos davon zu machen. Hoffentlich können wir diese später nachreichen. Der Sternenhimmel sieht nämlich wirklich fantastisch aus! Dann geht es nach wenigen Stunden Schlaf um ca. 5 Uhr morgens bei klirrender Kälte in die Wüste zu einem Berg in der Mitte, der Isla Incahuasi. Dort erleben wir einen spektakulären Sonnenaufgang.

Aussicht von der „Insel“ Incahuasi in der „Salar de Uyuni“
Aussicht von der Incahuasi kurz vor dem Sonnenaufgang
Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni
spektakulärer Sonnenaufgang

Es ist so kalt, dass unsere Kleidung nicht ausreicht. Wir hüllen uns zusätzlich in die geliehenen Schlafsäcke.

Frühstück in der Salzwüste

Wir haben uns mit dem Finnischen Pärchen angefreundet. Zusätzlich haben wir zwei Franzosen (Brüder) kennengelernt, die in zwei Jahren mit dem Fahrrad von Kanada (Québec) nach Ushuaia (in Südargentinien) unterwegs sind. Die beiden beeindrucken mich (Sabrina) sehr. Nicht nur, dass sie tausende von Kilometern mit dem Fahrrad zurücklegen, sie schlafen auch noch im Zelt. Bis auf den Verkehr und den ein oder anderen bissigen Hund, haben sie in allen Ländern bisher gute Erfahrungen gemacht. Zwischendurch werden sie von ihren tapferen Eltern besucht, die französischen Käse mitbringen (den sie mit uns teilen). Deswegen haben sie jetzt den Spitznamen „Los Amigos con Queso“.

unsere Gruppe

Das Salz ist von dem getauten Schnee vor zwei Tagen mit einer dünnen Schicht Wasser bedeckt, so dass man Fotos mit den Reflektionen machen kann. Trockene Stellen eignen sich für andere Fun-Fotos 🙂

Reflektionen in der dünnen Wasserschicht auf dem Salz
Fun mit den Reflektionen
Fun auf der Salzfläche
Fun auf der Salzfläche
Fun auf dem Salz
Fun auf dem Salz

Fun in der Salar de Uyuni

Diese viertätige Tour gehört zu unseren Highlights der bisherigen Reise. Zwischendurch kommen mir (Sabrina) sogar die Tränen, weil ich das, was wir hier sehen und erleben dürfen, gar nicht richtig begreifen kann. Es ist aber auch sehr anstrengend und wir freuen uns nun auf ein bisschen Erholung 🙂

Potosí

In Uyuni, am Ende unserer Tour, nehmen wir den Bus nach Potosí auf über 4000m Höhe, um dort am nächsten Tag eine Silbermine zu besuchen.

die neuen Minenarbeiter
Antonio mit Dynamit und Zündschnur
der Eingang zur Mine
Aussicht auf Potosí vom Geröllfeld
Minengelände

Es wird (oder wurde) Silber, Blei und Zinn abgebaut. Die Gänge sind oft sehr niedrig und wir müssen oft klettern.

eine Erzader

Für unseren Guide Antonio ist der Minengott Tío (Gott der Unterwelt) das wichtigste. Bevor wir in die Mine gehen, kaufen wir für die Arbeiter „Geschenke“: Kekse, Saft, Zigaretten, Kokablätter und 96%(!) Alkohol. Es ist nämlich wichtig, dass dem Minengott ordentlich gehuldigt wird. Dieser ist ein mit Girlanden verzierter, modellierter Erdklumpen. Das besondere ist ein großer Penis – Zeichen für die Fruchtbarkeit (d.h. Ergiebigkeit) der Mine. Antonio „opftert“ dem Gott, indem er erst genüsslich ein paar Kokablätter kaut, den Rest vor den Gott streut. Dann braucht der Gott eine Zigarette, von der Antonio ein paar kräftige Züge inhaliert und sie dann Tío in den Mund steckt. Zum Schluss werden Hände, Füße und der Penis mit dem 96%-igen Alkohol begossen, wobei Antonio auf keinen Fall vergisst, sich ebenfalls einen Schluck zu genehmigen. 🙂 Er erklärt, dass solche Götter in den Minen als eine Art religiöser Widerstand der Minenarbeiter gegen die damaligen spanischen Unterdrücker verstanden werden.

der Minengott Tío
ein Arbeiter

Uns scheint in dieser Mine nicht mehr viel gearbeitet zu werden. Antonio stammt aus einer Minenarbeiter-Familie, hat aber nach 5 Jahren Bergbau zum Tourismus gewechselt. Jetzt führt er zweimal täglich Touristen durch diese Mine.

Central Plaza in Potosí
mit so einem Bus fahren wir für 20 cent durch die Stadt

In dem Bus ist es sehr voll und wahrscheinlich fährt er langsamer als wir zu Fuß brauchen würden. Aber die Einheimischen sind entgegen dem, was wir so alles vorher gelesen haben, unglaublich nett und hilfsbereit. Zumindestens war es die erste Busfahrt, bei der mir (Sabrina) von einer älteren Dame die Wange getätschelt wurde 🙂

Markt in Potosí
Marktstände

 

Sucre und Samaipata

Nach der angestrengenden Tour durch die Salzwüste und der anschließenden Besichtigung der Mine erholen wir uns in Sucre.

Straße in der Altstadt von Sucre
Saftverkäuferin

Die Innenstadt ist blitzsauber. Überall schöne, weiße Häuser. Wir kommen uns gar nicht wie in Bolivien vor. Außerdem gibt es vom Templo de San Felipe de Neri aus einen wunderschönen Blick über die Dächer von Sucre (Assassin’s Creed läßt grüßen).

Templo de San Felipe de Neri, Kirche
über den Dächern von Sucre
auf dem Dach des Templo de San Felipe de Neri
hier sitzt offensichtlich gerne jemand
Dach der Kirche
auf dem Dach der Kirche
Convento de San Felipe de Neri
Convento de San Felipe de Neri
Innenhof im Convento

Am Stadtrand von Sucre gibt es Dinosaurier-Fußabdrücke. Die muss ich (Martin) unbedingt sehen! Ein Zementwerk hat eine ehemals waagerechte Platte eines prähistorischen Seeufers abgetragen, bis Saurierspuren zum Vorschein kamen. Heute betreibt die Firma dort einen kleinen Saurierpark:

Bronto und Tyrannosaurus
lebensgroße Saurier
Hallo Brontosaurus! 🙂
Martins Hand im Dinosaurierabdruck (Nachbildung)
unser Guide erklärt mittels  kleiner Plastiksaurier
Dinosaurier-Fußabdrücke

Am nächsten Tag geht es nach Samaipata, einem kleinen, schön gelegenen Dorf mit ein paar Aussteiger-Gringos. Dort besichtigen wir El Fuerte, wo die Incas gewohnt und ihre religiösen Rituale abgehalten haben. Wir verbinden die Besichtigung mit einer kleinen Wanderung durch die Berge zurück ins Dorf.

Katzenbabies in unserem Hostel
Blick vom Hostel auf Samaipata
El Fuerte
El Fuerte
Nischen
unser Weg zurück nach Samaipata

Langzeitreisende

Vorweg:
Wir denken, es ist ein seltenes Privileg, überhaupt (für lange Zeit) reisen zu können. Wir sind extrem dankbar für unsere fantastische Lebensituation, die uns das ermöglicht. Die bolivianische Verkäuferin, bei der wir frisch-gepressten Orangensaft kaufen, sitzt mindestens 12 Stunden pro Tag an ihrem Stand und das Geld, was sie dabei verdient, reicht – wenn überhaupt – gerade fürs Nötigste. Sie wird nie die Gelegenheit haben, auch nur für ein paar Wochen ins Ausland zu reisen. Wir ärgern uns, wenn westliche Touristen, die das Zehnfache an Geld haben, mit ihr um 0,50 Cent feilschen. Wir in den reichen westlichen Ländern haben ein extrem hohes Maß an selbstbestimmter Zeit, wie es das kaum sonst auf der Welt gibt!

Unterwegs begegnen wir vielen anderen Reisenden. Sobald wir vom allgemeinen Pancake-Trail bzw. Gringo-Trail abweichen, sind fast alle Langzeit-Reisende. Als wir anfangs den Leuten erzählt haben, dass wir 1 Jahr reisen werden, hat uns keiner ernst genommen. Das hat sich nach ca. einem halben Jahr geändert.

Unter den Langzeit-Reisenden gibt es auffällig viele alleinreisende Frauen, sowohl in Asien, als auch in Südamerika. Außerdem treffen wir viele „Freiwillige“, d.h. Leute, die unbezahlt in Hostels arbeiten und dafür Kost und Logis bekommen. In Neuseeland arbeiten viele auf Farmen, um sich die Reise dort zu finanzieren. Viele Hostel-Besitzer waren früher selbst Langzeit-Reisende.

Wir haben bisher folgende Typen von Reisenden kennengelernt:

Aussteiger: Leute, die sich von der westlichen Gesellschaft losgesagt haben. Sie reisen für eine unbestimmte Zeit und suchen nach einer alternativen Heimat. Viele Hostel- und Restaurantbesitzer gehören zu dieser Gruppe. Hierzu zählen wir auch diejenigen, die im Ausland geheiratet haben und jetzt mehr oder weniger gut integriert dort leben.

Umorientierer: Leute, die ihren Beruf nicht mehr ausüben wollen und eine Auszeit nehmen, um sich etwas neues zu überlegen. Die meisten berichten, dass das aber nicht klappt. Denn sie gewinnen zwar Abstand, aber was neues organisieren kann man vermutlich besser in der Heimat nach der Reise.

Eskapisten: Leute, die es genießen, vorübergehend in eine andere Welt abzutauchen. Sie möchten dabei möglichst ungestört abtauchen. Eskapisten müssen nicht unbedingt reisen, sondern man trifft sie auch in der Heimat, wenn sie in der Welt von Büchern, Fernsehserien oder Computerspielen leben.

Digitale Nomaden: Sie reisen gerne und lange, bleiben aber mit der Heimat verbunden, arbeiten unterwegs und managen die Anliegen zu Hause aus der Ferne, z.B. Betreiber von professionellen Reiseblogs.

Expats: Leute, die für ein paar Jahre im Ausland arbeiten. Sie fallen uns dadurch auf, dass sie weder zu den Reisenden, noch zu den Einheimischen gehören. Meist sind sie unter sich – ohne großen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Sie gehen in spezielle Restaurants, die für die „Locals“ zu teuer sind. Sie kennen sich viel besser mit der lokalen Kultur aus, sind aber oft auch recht negativ.

Feierer und Fantasialand-Besucher: Den Feierern geht es überwiegend ums Party-Machen und um Paarungsrituale, während die Fantasialand-Besucher von einer touristischen Hochburg zur nächsten reisen und immer das Gleiche machen. Beide Gruppen sind kaum an den Sehenswürdigkeiten oder den Leuten im jeweiligen Land interessiert. Diese Art zu reisen lehnen wir ab, denn dann kann man auch zu Hause bleiben.

Langzeiturlauber: Sie haben einfach Spaß am Reisen und sind neugierig auf die Welt. Das Leben zu Hause ist aber vollkommen in Ordnung und sie freuen sich genau so auf ihr Zuhause. Davon haben wir nur ein einziges Pärchen getroffen.

Wir ordnen uns so ein: Sabrina ist eine Umorientiererin, Martin ein digitaler Nomade. Wir sind übrigens die einzigen, die nur mit 8kg Gepäck pro Person reisen. Alle anderen, die wir getroffen haben, tragen 16-20kg Gepäck mit sich herum.

Besonders beeindruckt haben uns folgende Reisende:

Cloud9, ein englisches Rentner-Paar, die einen alten Militärtruck umgebaut haben und nun für die nächsten Jahre damit umherreisen. Der Truck ist so durchdacht, dass es sogar eine eigene Waschmaschine, Solarzellen auf dem Dach, eine vollausgestattete Küche, 500L Frischwassertank u.ä. gibt. Das Duschwasser wird wahlweise mit Strom, Gas, Diesel oder der Abwärme des Motors geheizt. Wir sind sehr beeindruckt.

Bob, ein 70 Jahre alter Berater der NASA und Luftfahrtindustrie aus USA. Er arbeitet teilweise immer noch. Er hat eine Sammlung von Harley-Davidsons und mit einer davon ist er in Südamerika unterwegs. Auf unserer Tour nach Tiwanaku sorgt er durch sein fröhliches Wesen für Stimmung. Er hält über facebook Kontakt zu seinen Freunden und Bekannten. „It’s a blast!“, „WOW, how beautiful!“. Wenn sie ihn nicht für einen Beraterjob anrufen, ist er in der Welt unterwegs.

Vincent und Jeremy aus Frankreich, die für zwei Jahre mit Fahrrad und Zelt von Kanada nach Südargentinien fahren. Sie sind ausgesprochen nett und beeindrucken uns damit, was sie alles auf sich nehmen.

Heike, eine alte Schulfreundin von Martin. Was für eine außergewöhnliche Gelegenheit: Sie ist die einzige, die uns auf unserer Reise erlebt und wir, (bis auf ihre Kinder) die einzigen, die sie in Bolivien erleben. Sie kann uns viel über die bolivianische Gesellschaft erzählen, was wir andernfalls nie erfahren hätten.